18
May
2025

IARU plant grundlegende Neustrukturierung

Die International Amateur Radio Union (IARU), die weltweite Interessenvertretung für den Amateurfunk, plant eine umfassende strukturelle Neuausrichtung. Dies geht aus einem Konsultationsdokument hervor, das am 21. März 2025 veröffentlicht wurde. Ziel ist es, die bisherigen vier weitgehend unabhängig agierenden Strukturen – das internationale Sekretariat sowie die drei Regionen – in eine einheitliche, global agierende Organisation zu überführen.

Warum diese Veränderung?

Hintergrund der Initiative sind laut Dokument vor allem:
◉ Bessere globale Koordination und Kommunikation
◉ Optimierung von Ressourcen und Kosten
◉ Stärkere und einheitliche Interessenvertretung auf internationaler Ebene, insbesondere bei der ITU und regionalen Telekommunikationsorganisationen
◉ Herausforderungen durch schwindende Mitgliederzahlen und den demografischen Wandel
◉ Unterschiedliche Finanzstrukturen und Beitragshöhen in den Regionen
◉ Unzureichende Repräsentation der weltweiten Amateurfunk-Gemeinschaft durch bestehende nationale Mitgliedsverbände

Geplante Änderungen im Überblick

◉ Gründung einer einheitlichen IARU als Verein mit Sitz in der Schweiz
◉ Auflösung der bisherigen Regionalstrukturen zugunsten eines globalen Verwaltungs- und Ausschusssystems
◉ Einführung einer Generalversammlung, in der alle Mitgliedsverbände stimmberechtigt sind
◉ Direktwahl von Vorstand und Präsidium durch die Mitgliedsverbände
◉ Bildung thematischer Ausschüsse wie z.B. für Frequenzschutz, Nachwuchsarbeit, Notfunk, technische Entwicklungen, Satellitenkoordination und mehr
◉ Zentralisierung der Finanzen, verbunden mit einer Harmonisierung der Mitgliedsbeiträge
◉ Jährliche Generalversammlungen statt einzelner Regionalkonferenzen

Zeitplan

Der aktuelle Konsultationsprozess gliedert sich in drei Phasen:
1. Feedback-Phase bis zum 21. Mai 2025, inkl. Online-Infoveranstaltungen
2. Veröffentlichung eines überarbeiteten Entwurfs mit weiterer Kommentierungsphase
3. Abstimmung über den finalen Vorschlag

Hinweis zu den Regionen

Wichtig ist zu verstehen, dass die geplante Neustrukturierung nur die internen Regionen der IARU betrifft – also die organisatorische Einteilung in Region 1, 2 und 3.

Diese IARU-Regionen orientieren sich bislang grob an den drei offiziellen ITU-Regionen, wie sie in der Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk, Artikel 5.2 bis 5.9) festgelegt sind. Diese ITU-Regionen sind völkerrechtlich bindend und können nur durch die ITU, also die Internationale Fernmeldeunion, im Rahmen einer Weltfunkkonferenz (WRC) geändert werden.

Die IARU-Regionen dagegen sind rein organisatorische Gebiete, die von der IARU selbst festgelegt und verändert werden können. Genau das ist auch Ziel der aktuellen Reform: Die IARU möchte ihre drei bisherigen Regionen auflösen und sich als einheitliche globale Organisation aufstellen.

Die bestehenden ITU-Regionen und deren Frequenzzuweisungen bleiben davon unberührt.

Mögliche Auswirkungen für Funkamateure

Sollte die Neustrukturierung umgesetzt werden, könnten sich für uns als Mitglied im DARC folgende Auswirkungen ergeben:
◉ Stärkere Mitgestaltungsmöglichkeiten auf globaler Ebene durch gleichberechtigte Stimmrechte aller Mitgliedsverbände
◉ Bessere Koordination und Unterstützung bei internationalen Themen wie Frequenzverteidigung, EMC-Fragen und Satellitenbetrieb
◉ Bessere Anbindung an weltweite Projekte z.B. in den Bereichen Jugendförderung oder neue Technologien
◉ Harmonisierung der Beiträge, was – je nach Ausgangslage – zu einer Erhöhung oder Senkung der DARC-Mitgliedsbeiträge führen könnte
◉ Wegfall der eigenständigen Region 1-Struktur, was Chancen auf mehr Effizienz, aber auch auf den Verlust regionaler Eigenständigkeit und Nähe mit sich bringen kann
◉ Herausforderungen bei der Finanzierung und Besetzung von Fachpositionen, da künftig noch mehr von ehrenamtlichem Engagement abhängen wird

Unsere Einschätzung

Die vorgeschlagene Neustrukturierung bietet große Chancen, die IARU zukunftsfähig aufzustellen und den Amateurfunk weltweit besser zu vertreten. Besonders kleinere Verbände könnten davon profitieren. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass damit auch Risiken verbunden sind, etwa durch den möglichen Verlust regionaler Identität und durch höhere finanzielle Anforderungen an die Mitgliedsverbände.

Ob die Pläne ihr volles Potenzial entfalten können, hängt maßgeblich davon ab, wie die Umsetzung konkret ausgestaltet wird und ob es gelingt, alle Mitgliedsverbände aktiv einzubinden.

Wir empfehlen allen Interessierten, sich im DARC über die weiteren Entwicklungen zu informieren und den Prozess aufmerksam zu begleiten.

Weitere Informationen gibt es direkt bei der IARU unter:
https://www.iaru-r2.org/wp-content/uploads/2025/04/IARU-Consultation-on-Proposed-Restructuring_march_2025.pdf



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